KADAthlete Story Kathrin und Christina Schweinberger (Radsport)

Es war ein Großereignis, auf das die Radwelt lange gespannt gewartet hatte: Die Tour de France Femmes feierte im vergangenen Juli ihre Premiere. Mittendrin Kathrin und Christina Schweinberger, die eine einzigartige Rundfahrt erlebten: „Es war wirklich großartig, die Atmosphäre war etwas ganz Besonderes. Natürlich waren es einige der härtesten Rennen, die wir bis jetzt gefahren sind. Jede Etappe hatte etwas Spezielles und war somit ein Highlight. Vor allem der erste und der letzte Tag werden lange in Erinnerung bleiben.“

Aus den acht Etappen über insgesamt 1035 Kilometer können die Zwillingsschwestern viele wertvolle Erfahrungen mitnehmen, denn: „Rennen auf so einem Niveau und von so einem Stellenwert bereiten nicht nur körperlich, sondern auch mental auf zukünftige Großereignisse vor. Man arbeitet monatelang auf einen wichtigen Bewerb hin, da muss am Tag X aber auch der Kopf passen. Je öfter man in solche Drucksituationen kommt, desto routinierter wird man.“

christina und kathrin schweinberger

©Christina und Kathrin Schweinberger

Zwischen Radrennsport und Studium

Kathrin und Christina Schweinberger zählen zu den Top-Fahrerinnen im österreichischen Radrennsport. Sportlich bestritten sie dieses Jahr ein dichtes Programm und machten dabei erstmals die Erfahrung, für unterschiedliche Teams anzutreten. Bei den österreichischen Straßen- und Bahnmeisterschaften 2022 konnten sie sich jeweils mehrfach mit Titeln auszeichnen. Auf die Rad EM in München folgte Ende September zum Abschluss einer langen Saison noch die WM in Australien.

Doch wenn die Tirolerinnen nicht gerade bei Trainings oder Wettkämpfen sind, dann findet man sie im Hörsaal: Beide studieren nämlich an der Universität Innsbruck. Hier enden die Gemeinsamkeiten aber, denn für die Schwestern gestaltete sich sowohl der vorangegangene Bildungsweg als auch die Studienwahl sehr verschieden.

Christina Schweinberger über Lehre, Berufsreifeprüfung und Studienwahl

Christina Schweinberger absolvierte zunächst eine Lehre zur Chemielabortechnikerin und legte die Berufsreifeprüfung ab. „Eine Ausdauersportart mit einer Lehre und Abendschule zu verbinden, war nicht immer einfach“, erinnert sie sich an ihre Ausbildungszeit zurück.

„Wenn ich mir jetzt so überlege, wie ich alles unter einen Hut gebracht habe, muss ich schon lachen. Ich habe sicher Fehler gemacht. Zum Beispiel habe ich es in den Monaten vor meiner Lehrabschlussprüfung mit dem Training übertrieben und zu wenig Regeneration eingeplant, sodass ich aufgrund einer Herzmuskelentzündung einige Monate ausfiel. Aber ich habe viel aus dieser Zeit gelernt und darauf bin ich stolz.“

Christina Schweinberger
©Arne Mill

Bei der anschließenden Studienwahl gab es für sie mehrere Entscheidungsfaktoren: „Es waren drei Studienrichtungen in der engeren Auswahl, die mich interessiert haben, darunter auch Sportwissenschaften. Ich habe mich über alle drei so gut es ging erkundigt, auch im Hinblick darauf, wie ich das Studium mit meinem Sport vereinbaren kann“, waren für sie die Voraussetzungen klar.

„Im Endeffekt habe ich mich für Wirtschaftsrecht entschieden, da ich mich mit etwas beschäftigen wollte, das nichts mit Sport zu tun hat – einfach, damit sich nicht das ganze Leben darum dreht. Denn falls es mal nicht läuft, oder man verletzt ist, finde ich es gut, andere Bereiche zu haben, auf die man sich fokussieren kann. Ein weiterer Grund war, dass ich dieses Studium später gut mit meinem erlernten Beruf kombinieren kann.“

Kathrin Schweinberger über AHS-Schulzeit und Lehramtsstudium

Kathrin Schweinberger besuchte unterdessen die AHS: „Ich bin gerne ins Gymnasium gegangen, nicht nur wegen meiner Mitschüler:innen, sondern auch, weil ich durch die Struktur und Planung genügend Zeit für meinen Sport hatte. Außerdem wusste ich, dass mir danach viele Türen offen stehen würden.“

Über ihren Zugang, um Schule und Radsport miteinander zu verbinden, sagt sie: „Die Disziplin und den Ehrgeiz, auf die es im Leistungssport ankommt, habe ich auch in der Schule an den Tag gelegt. Ich wollte mein Bestes geben und das haben meine Lehrer:innen erkannt. Sie haben mich deshalb im Sport immer unterstützt und ich habe so einige Freiheiten bekommen. Es ist aber stets ein Geben und ein Nehmen. Solange ich die geforderten Leistungen gebracht habe, waren sie stets bereit, mir im Sport entgegenzukommen.“

Kathrin Schweinberger
©Jan Brychta

Heute studiert die ÖRV-Athletin Mathematik und Geographie auf Lehramt: „Das Studium ist auf alle Fälle fordernd. Für mich steht aber fest, dass man sich mit vollem Fokus auf den Sport konzentrieren und trotzdem ein zweites Standbein aufbauen kann. Zwar nicht in der Geschwindigkeit, wie es vielleicht Vollzeitstudierende machen, aber darum geht es als Leistungssportler:in nicht. Wichtig ist, dass man an die Zukunft denkt und für später etwas hat.“

Studieren im Leistungssport: Mit dem SLS-Förderprogramm bei KADA

Unterstützung bei der Vereinbarung von Sport und Studium erhalten Kathrin und Christina Schweinberger durch KADAs Studienförderprogramm SLS, für das die Universität Innsbruck Partnerhochschule ist: „Es ist viel Erfahrung gegeben, wie man Leistungssport und Studium erfolgreich verbindet, daher können wir uns mit allen möglichen Fragen an KADA wenden. Vor allem wenn es darum geht, die unterschiedlichen Termine in Sport und Studium abzustimmen, so zum Beispiel bei Trainingslagern, die nicht immer in die vorlesungsfreie Zeit fallen. Zum Glück sind die meisten Professoren nach einem Gespräch sehr entgegenkommend. Ansonsten geht es viel darum, Prioritäten zu setzen.“

Zwei weitere wichtige Schlüssel zum Erfolg: Sich nicht zu viel Druck machen und die nötige Zeit für Regenerationsphasen lassen, damit Körper und Geist zur Ruhe kommen können. Neben dem Leistungssport andere Projekte und Interessen zu verfolgen, so sind sich die Jenbacherinnen einig, ist wesentlich, um den Kopf zwischendurch frei zu bekommen:

„Sport ist zwar unser Leben, aber es ist hilfreich, ihm nicht zu viel Wichtigkeit zuzuschreiben. Da eignet sich eine Ausbildung natürlich gut, um Abwechslung in den Alltag zu bekommen. Wir alle haben Themengebiete, die unsere Aufmerksamkeit anziehen, sei es Kunst, Literatur, Naturwissenschaften, Gesundheit, Technologie, oder vieles mehr. Wenn man sich für etwas interessiert, sollte man dem nachgehen. Es ist bestimmt keine verschwendete Energie. Und: Am besten gleich starten und nicht aufschieben. ‚Das mach ich später‘ kann sich schnell in ‚jetzt mach ich es auch nicht mehr‘ verwandeln. Der richtige Zeitpunkt ist jetzt.“

kathrin und christina schweinberger

©Arne Mill

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